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Ein Versicherungsvertreter kann dem Versicherungsnehmer zum Schadensersatz verpflichtet sein, wenn er ihm eine neue Berufsunfähigkeitsversicherung verkauft, welche allerdings einen Leistungsausschluss für psychosomatische Erkrankungen enthält und dabei auf die Kündigung des bisherigen Berufsunfähigkeitsschutzes hinwirkt, welcher jedoch diese Leistungen umfasste. Der Versicherungsvertreter hat bei seiner Beratung und Prüfung bestehender Versicherungsverträge zu beachten, dass der Versicherungsnehmer weder eine Deckungslücke noch eine Verschlechterung des Versicherungsschutzes in Kauf nehmen will.
Das Oberlandesgerichts Saarbrücken hat einen Versicherungsvertreter auf Schadensersatzzahlungen an den Versicherungsnehmer verurteilt. Zum einen kann der Versicherungsnehmer die Prämiendifferenz zwischen dem gekündigten Berufsunfähigkeitsversicherungsvertrag und dem neuen Versicherungsvertrag bei der neuen Versicherungsgesellschaft verlangen. Zum anderen ist der Versicherungsvertreter verpflichtet, etwaige weitere Schäden zu ersetzen, die sich aus dem von ihm vermittelten Wechsel des Berufsunfähigkeitsversicherers ergeben, da der neu vermittelte Vertrag den Risikoausschluss für psychosomatische Erkrankungen enthält. Der gekündigte Berufsunfähigkeitsversicherungsvertrag hatte dieses Risiko nicht ausgeschlossen.
Das OLG Saarbrücken stellt in seinem Urteil abschließend eine Verpflichtung für Versicherungsvermittler fest: Wenn ein Versicherungsvermittler im Rahmen einer Analyse der bestehenden Versicherungssituation seines Kunden einen entsprechenden Wechsel des Versicherungsschutzes vorschlägt, muss er, zum einen die vorhandenen Versicherungsverträge intensiv prüfen und vergleichbaren Versicherungsschutz suchen, und zum anderen darüber hinaus den Versicherungsnehmer über die mit einer Vertragskündigung verbundenen Nachteile aufklären. Da eine Kündigung den bestehenden Versicherungsschutz stark einschränken oder gar vollständig beseitigen kann, hat der Vermittler den Versicherungsnehmer sogar soweit aufzuklären, dass dieser erst dann den bestehenden Versicherungsvertrag erst dann kündigt, wenn gewährleistet ist, dass der angestrebte Versicherungswechsel mit vergleichbarem Versicherungsschutz zustande gekommen ist.

(Urteil des OLG Saarbrücken vom 26. April 2017, Az.: 5 U 36 / 16)